Was soll diese Sexismusdebatte ?!

Ich verstehe das nicht. Schon wieder geistert dieses Wort, “Sexismusdebatte“, durch die Medien. Gestern schon wieder wurde auf arte (Kulturzeit) in einem ziemlich indifferenzierten Beitrag darauf angesprochen: In einem Gespräch mit Klaus Theweleit ging es um den “grundlegenden Sexismus” in Zeiten der alten Griechen, die ja bekanntlich den Grundstein unserer heutigen Zivilisation gelegt hätten. So seien Vergewaltigungen (“Göttermänner” nehmen sich “Menschenfrauen”) Grundlage der meisten griechischen Mythologien, aus denen wiederum wahre Helden entstanden. Bestes Beispiel: Herkules, Sohn von Zeus und einer Menschenfrau.
Herkules, ungewollte Konsequenz einer göttlichen Vergewaltigung? Sehen wir Parallelen zum Christentum? Nein, Scherz beiseite, darum soll es nicht gehen.

Überall sehe ich Beiträge, in Zeitungen und im Fernsehen, die bestürzt Fragen wie “Was darf Mann eigentlich?”, à la “ Oh Gott, bin ich etwa ein Sexist?” beinhalten.

Das ruft in mir eine derartige Ekelreaktion vor. Da ich den Rummel um Rainer Brüderle, der stern-Journalistin Laura Himmelreich vor einem Jahr belästigt haben soll, die wiederum darüber einen Artikel schrieb, der eine Welle von Frustgeständnissen anderer belästigter Frauen in Politik und Medien auslöste, nicht mitbekommen habe, kamen bei mir nur die Echos der eigentlichen Sexismusdebatte an. Anscheinend sind sich alle einig: Männer sind Sexisten, die armen Frauen werden ständig belästigt. Es muss sich etwas ändern! Klare Grenzen müssen her! Bla!

Sexy Unterwäschewerbung – Sexistische Kackscheiße? Hier hat Blush selbst die eigene Werbung besprayt. (Bildquelle: klonblog.com)

Das ist doch nichts neues. Vor allem nach der Jahrtausendwende tauchten vermehrt Artikel darüber auf, dass Frauen sich immer mehr “weiche” Männer wünschen. One-Night-Stands mit harten Kerlen, aber Familie mit weichen Männern mit blauen Augen. Also mit Frauen. Ein Plädoyer an die Nice Guys dieser Welt nicht den Mut aufzugeben. Das hing auch mit dem Trend zusammen, dass immer mehr Frauen mit ausgestreckten Ellenbogen in die Politik gingen, Stichwort Sarah Palin.

Wer sich wiederum in der Pick Up Szene ein wenig auskennt weiß, dass Frauen auf eine sensibel eingesetzte, gute Portion Sexismus stehen. Und das schreibe ich als Frau.

Ab wann ist ein Kompliment Belästigung?

Ab wann ist ein Kompliment Belästigung? Ich denke, jeder hat da seine eigene Grenze. Vielleicht bin ich in einem zu guten Milieu aufgewachsen, aber in meiner Umgebung wissen die meisten Männer auch wo diese Grenze liegt. Und ich habe genug Selbstbewusstsein um einen interessierten Mann, dessen Kompliment mehr impliziert, als pure Freundlichkeit, direkt abzuweisen, wenn er mich nicht interessiert.

Ja, das ist unangenehm und Belästigung auf dem Arbeitsplatz kommt häufiger vor, als uns bewusst ist. Aber die aktuellen Berichte zeigen vorwiegend in die Ecke gedrängte Frauen, die sich nicht trauen sich zu wehren und nicht damit umgehen können, wenn lauter Männer sie schön finden oder ein offenkundiges Interesse an ihnen äußern.

Da ist die Rede von Frauen, die sich in bestimmter Kleidung nicht mehr aus dem Haus trauen. Als würden auf den Straßen nur geifernde, arschgrapschende Perverslinge rumrennen. Hilfe, Invasion der untervögelten Machos!

Ein eigenartiges Frauenbild

Also entweder, die Berichterstatter selbst haben ein ganz eigenartiges Frauenbild, oder wir Frauen haben ein schwerwiegendes Selbstwertproblem. Vielleicht sollten die Schlagzeilen anders lauten: Frauen haben ein Sexismusproblem und Männer fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Sie tun doch schon alles, sind lieb und nett, und kriegen zum Schluss trotzdem keine ab. Aber Laura Himmelreich träumt wahrscheinlich trotzdem jede Nacht von der grausigen Anmache von Rainer Brüderle. Arme, arme Laura.

Und dann noch die Sache mit der Kleidung: Die einen sagen, Frauen provozierten mit ihren Miniröcken und durchsichtigen Blusen ja blöde Machosprüche.
Manche gehen soweit zu sagen, wer sich so anziehe der lade praktisch ein, vergewaltigt zu werden.
Ja, solche Leute verdienen eine High Five in ihr Gesicht.

Kleidung ist Statussymbol, Ausdrucksmittel und Wohlfühlraum. Aber ich muss mir immer bewusst sein, dass ich permanent gesehen werde. Und die Leute registrieren nicht nur welche Marken ich träge, welche Typ ich bin, welche Aufschrift mein T-Shirt trägt, nein, ich weiß, dass bestimmte Kleidung nun mal Aufmerksamkeit auf sich zieht. Männliche Aufmerksamkeit. Ihr wisst, wie ich das meine.

Also, ich gestehe: Ich habe keine Angst vor Männern. Ich ziehe mich gerne aufreizend an. Und manchmal provoziere ich Komplimente bewusst. Und ich bin sicher nicht die einzige. Frauen sind nämlich die schlimmsten Sexisten.

Also das ist mein Beitrag zu einer Debatte, die ich unnötig finde. Leute, wenn ihr belästigt werdet, dann beschwert euch und meidet solche Personen. Aber hört auf alles zu dramatisieren. Wir halten es da lieber wie Bush:

blush-Have-Sex

2 Gedanken zu “Was soll diese Sexismusdebatte ?!

  1. “Sie tun doch schon alles, sind lieb und nett, und kriegen zum Schluss trotzdem keine ab.” Was kennst du denn für Männer?? Ich hab da Singleladies in petto die gut zu dem Schema passen würden.
    ´türlich ist die ganze Debatte schrecklich aufgeblasen, abgesehen davon dass der Stern wohl kaum als grober Verfechter des Feminismus fungieren darf. (Seitdem Frau Schwartzer für die Bild schreibt wundert mich allerdings gor nischt mehr.)
    Denke aber #Aufschrei ist genau richtig für jene Frauen die denken, wenn sie Sexisten nicht auf die Fresse hauen, kriegen sie gar keinen mehr ab. Sprich: Fühl dich wohl dein Unwohlsein kundzutun. Und offensichtlich müssen das noch so einige lerne, nicht nur die ohne Penis.
    Ansonsten kann ich diesen Artikel wohl kaum verreißen – ist mir nicht differenziert genug^^

    • Haha, danke, die Reaktion habe ich erwartet.
      Ich hab mich schon gefragt ob ich den Satz “Sie tun doch schon alles, sind lieb und nett, und kriegen zum Schluss trotzdem keine ab.” so stehen lassen kann. Damit spiele ich eigentlich auf Artikel (wie den hier) an, die sich darüber beschweren, Männer seien verweichlicht, weil sie den Wünschen der Frauen entsprechen wollen. Das widerspricht jedoch den aktuellen Vorwürfen in der Sexismusdebatte. Ob die Männer im Allgemeinen jetzt weicher, oder doch machistischer geworden sind kann ich nicht sagen, mit dem Artikel möchte ich nur loswerden, dass ich jedenfalls da kein Sexismus-Problem sehe (für mich) und es vielleicht einfach damit zu tun hat wie die Frauen mit den Männern umgehen und nicht umgekehrt.

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